Photoshop und Co.


Immer wieder gibt es Diskussionen, wieviel Bildbearbeitung ein gutes Foto verträgt, wieviel das Motiv besser herausstellt, wieviel sie so verändert, dass das ursprüngliche Foto seine Natürlichkeit einbüßt.


Auf Google+, im Netz und in Zeitschriften kann man es verfolgen. Oft sieht man schöne bunte Darstellungen von Landschaften oder anderen Motiven, die in der Realität so schwerlich zu finden sind. Ist das noch ein Foto? Natürlich ist eine Grenze schwer zu ziehen. Das muss jeder für sich entscheiden. Ich für meinen Teil habe mich für eine authentische Fotografie entschieden.


Für mich habe ich einen Workflow erstellt, der das Foto entwickelt, aber nicht verfälscht. Ich fotografiere im Rohformat und entwickele das Foto in den Grundeinstellungen, d.h.: Kontrast, Belichtung, Farbtemperatur, Schärfe und Weißabgleich werden, soweit erforderlich, im geringen Maße korrigiert. Zuletzt, wenn nötig, wird das Foto noch entrauscht. Das war’s!


Ich finde gerade in der Naturfotografie sollte man authentisch fotografieren. Qualität setzt sich auf Dauer immer durch. Übertrieben bearbeitete Fotos verlieren schnell ihren Reiz und werden auch als solche erkannt.


In der heutigen digitalen Fotografie ist es schon mit geringem fotografischen Wissen und Können einfach, ein Foto so zu manipulieren, wie man es haben möchte. Wer jedoch beim Fotografieren Photoshop und Co. als „Alles-wieder-gut-Macher“ von vornherein aus dem Hinterkopf streicht, kann sich ganz darauf konzentrieren, das Foto so zu gestalten, dass es keine Manipulation braucht, um gut zu sein. Natürlich gelingt auch dann nicht jedes Foto. Aber ein nicht gelungenes Foto wird auch durch Photoshop und Co. nicht gelungen.

Deshalb werde ich meinem Grundsatz treu bleiben und meine Fotos so präsentieren, wie ich sie vor Ort gesehen habe.


Originalfoto
Originalfoto
Foto bearbeitet
Foto bearbeitet


So kann ich mich über jede gelungene Aufnahme von Herzen freuen, wissend, dass ich sie so gemacht habe und nicht Photoshop & Co.


Ich hoffe ich konnte dem ein oder anderen, einen Anstoß geben, es auch zu tun. Was denkt ihr über dieses Thema ?


Herzliche Grüße

Euer Andreas  


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Kommentare: 12
  • #1

    Marion Rudolph (Freitag, 23 Januar 2015 15:53)

    Hi Andreas,
    ich kann Dir im Großen und Ganzen nur zustimmen. In einem reinen Fotoforum sollte die Realität wiedergeben und nicht mittels Bildbearbeitungs überzogen "verfälscht" dargestellt werden.

    Auf der anderen Seite gibt es da aber auch noch Photoshop, mit der man Bilder ganz bewußt "verfälschen" und "bearbeiten" und daraus oft ganz eigenen Bildwerke erstellen kann.

    Ich mag Beides und ich werde mich nie nur auf reine Fotos oder nur auf Bildbearbeitung einlassen.

    Wenn ich in einem Forum bin, wo nur die reine Fotografie erwünscht ist, so ist das für mich OK, zumal ich solche Fotos auch liebe, aber ebenso bewege ich mich gern in Foren, wo es auf die Bearbeitung und die Fantasie ankommt.

    Ich denke wirklich, jeder muss den Weg für sich finden, den er begehen will, sei es nur der Weg der reinem Fotografie oder die bewußt darauf ausgelegte Bildbearbeitung oder eben, so wie ich es mache, beide Wege beschreite und in jedem einzelnen Weg meine Freude finde.

    LG Marion

  • #2

    Stephan D. (Freitag, 23 Januar 2015 16:08)

    Hallo Andreas
    Ja,im Grunde hast Du Recht. Ich finde man kommt um Photoshop nicht
    herum,wenn man von den Vorteilen der dig.Fotografie profitieren will.
    Die enorme Erweiterung des Tonwertumfangs macht es möglich" fast"
    den ganzen Tag über ohne Verluste in Tiefen u. Lichtern zu fotografieren. Zu analogen Zeiten waren es nur wenige Stunden und
    dazu noch vom Labor abhängig. Jedoch kommt das Ergebnis nicht
    gleich fertig aus der Kamera - nicht im RAW und nicht als JPG.
    Auch die albernen "Motivprogramme "ändern daran nichts denn kein
    Programmierer kann wissen was ich gerade vor der Linse habe und
    wie ich mir das fertige Bild vorstelle.
    Ich benutze PS schon seit vielen Jahren, besonders wenn es um das
    Herausarbeiten von Details aus Tiefen und Lichtern ,um die Farbtemperatur und die Korrektur des Bildausschnitts (Tiere in Aktion)
    geht. Dazu kommt die umweltschonende und platzsparende Entwicklung von S/W Bildern, die ich sicher nicht noch einmal im
    Labor betreiben würde.
    Soweit erst einmal meine Philosophie.Es gibt da noch mehr Gründe
    aber das ist dem Einen oder Anderen vielleicht schon zuviel.
    Gruß Stephan

  • #3

    Karsten (Freitag, 23 Januar 2015 16:17)

    Ich sehe das genauso! Eigentlich brauchte man nur ein RAW um die Bilder zu Entwickeln.
    Nur in der Landschaftsfotografie hat man meist immer das Problem mit den Hellen Lichter im Himmel und die dunklen. Da ich meist so fotografiere das die hellen Bereiche korrekt belichtet sind, muss ich dann in den dunklen Bereiche wieder auf hellen. Die groben arbeiten werden in Lr Entwickelt und in Photoshop nehme ich die fein Arbeiten vor. Aber nur das es wieder so aussieht wie es in Wirklichkeit war.
    Gruß Karsten

  • #4

    Conny Heißwolf (Freitag, 23 Januar 2015 16:46)

    ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Ich fotografiere auch nur in RAW und nehme dann Lightroom , um noch Details heraus zu arbeiten.
    Auf der anderen Seite experimentiere ich auch sehr gerne mit Photoshop und bearbeite meine Fotos so wie es mir gefällt zb. stelle ich Blumen pp. frei und kreire dann an komplett anderes Bild.
    Hauptsache für mich ist der Spaß

  • #5

    Michael Auer (Freitag, 23 Januar 2015 18:14)

    .. da kann ich eigentlich nur zustimmen, ich arbeite mit PS schon ewig,
    und die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Aber meine Raw-Aufnahmen
    verändere ich nur minimalst in Kontrast und Gradation. (ich überbelichte etwas beim aufnehmen, Gradation gleicht das dann aus und bringt mehr Tiefe).
    Von Farbspielereien und starken scharfzeichnen halte ich nichts, aber eine sanfte Bearbeitung ist immer zu akzeptieren.

  • #6

    Bernd Flicker (Freitag, 23 Januar 2015 18:32)

    Alleine schon die vorigen Anmerkungen zeigen dass diese Frage nicht so einfach zu Beantworten ist. Viele Dinge die in der analogen Fotografie nicht machbar waren sind heute möglich. Da war noch wirklich akribische Planung notwendig und die Kosten waren ja auch nicht von schlechten Eltern. Heute leben wir im Zeitalter der digitalen Fotografie. Die Chemie im Labor wurde durch Software ersetzt und das ist auch gut so. Ich empfinde es als ein Segen so komfortabel und mit wenig Aufwand zu einem guten Bild zu kommen. Das bedeutet für mich, es möglichst perfekt zu fotografieren um es dann in PS zu entwickeln. Die Entwicklung lehnt sich im Großen und Ganzen an die von Andreas beschriebenen Arbeitsschritte an und braucht meist nur 2-3 Minuten. Auch heute biege ich ein Grashalm lieber zur Seite, als ihn nachher mit dem Stempel zu entfernen. Es ist aber ein gutes Gefühl zu wissen, dass dies heute möglich ist. Jeder muss für sich selber entscheiden in wie weit er Fotografie und digitale Kunst miteinander in Einklang bringen will.
    LG Bernd

  • #7

    Susanne Wanning (Freitag, 23 Januar 2015 19:03)

    Ich finde, wenn man die Bearbeitung mit Photoshop und Co. als "Wieder gut Macher" benutzt, wird man schnell entlarvt. Vielleicht kann man kleine Fehler ausbügeln, aber ein schlechtes Bild wird auch stark bearbeitet nicht besser. Will man aber die Möglichkeiten der digitalen Fotografie voll ausschöpfen, kommt man früher oder später an guter Bearbeitungssoftware nicht vorbei. Es macht zudem Spaß, damit zu experimentieren. Mit der Bearbeitung eröffnet sich eine Welt, die genauso vielseitig und schwierig ist, wie ein gutes Foto zu machen. Dabei ist starke Übertreibung für mich Kunst, die ebenso ihren Platz verdient, wie die natürliche Darstellung. Ich finde, man kann das nicht vergleichen. Und gerade für die natürliche Darstellung ist die Bearbeitung sehr hilfreich, nämlich da, wo schwierige Bedingungen meiner Kamera Grenzen setzen. Ich fotografiere auch ausschließlich in RAW und arbeite mich gerade erst in Lightroom ein. Photoshop habe ich nicht. Aber ich bin begeistert, wenn ich mit Lightroom ein Foto so bearbeiten kann, wie ich es in Wirklichkeit gesehen habe. Ok, manchmal übertreibe ich auch. ;-)
    Liebe Grüße,
    Susanne

  • #8

    Eva (Samstag, 24 Januar 2015 00:17)

    Wieviel Bearbeitung braucht ein Bild ? Kommt auf viele Faktoren an. Bearbeitung fängt ja schon in der Kamera an und hört in der Entwicklung auf. Hinzu kommt, dass die Wahrnehmung des Menschen über Farben etc. sehr unterschiedlich ist. Bei Naturfotos, die z. B. Arten von Pflanzen beschreiben, sollte das Bild meiner Meinung nach so nah wie möglich an der Realität sein.
    Ich mag aber auch Bilder, die so stark verfremdet sind, durch Bearbeitung, dass sie schon wieder neue Kunstwerke darstellen. Die Frage ist, was möchte ich mit meinem Foto darstellen.
    LG Eva

  • #9

    Olaf Wenkebach (Samstag, 24 Januar 2015 17:13)

    Hallo Andreas und alle Interessierten,

    deine Site wird immer umfangreicher und lesenswerter. Gefällt mir wirklich recht gut. Das Thema, was du hier ansprichst, ist so ne Sache.
    Meiner Meinung nach gehört die elektronische Bildverarbeitung (EBV) und das digitale Fotografieren zusammen. EBV kann dezent erfolgen ( Kontrast, Belichtung, Farbtemperatur, Schärfe und Weißabgleich, entrauschen, ...), oder auch stärker das Bild manipulieren. Es kommt darauf an, was man machen möchte, und wie das Ergebnis aussehen soll. In der Macrofotografie setze ich weniger EBV ein. In der Landschaftsfotografie kann es dann aber schon einmal mehr sein, auch so viel, das ich durch Retusche Dinge im Bild verschwinden lasse, die mich in der Landschaftsaufnahme stören. Natürlich ist das Ergebnis dann nicht mehr originalgetreu dem wirklichem Blick entsprechend (z.B. weil ich eine Stromleitung weggenommen habe). Aber es sieht für mich dann ästhetischer aus.
    Um manche Bildergebnisse zu erzielen, setze ich dazu auch verschiedenste Software ein. Fotostacking für Macro- und Astrofotografie, HDR-Software für HDR-Bilder, Nik-Filter, usw.
    Manche Bilder werden auch erst durch langwierige Bearbeitung mit Photoshop zu dem Ergebnis, was ich mir vorstelle, haben dann auch nicht mehr viel mit dem originalem Bild aus der Kamera zu tun. (Composing, Beauty-Retusche, usw). Bei all diesen Techniken versuche ich nicht zu übertreiben, den natürlichen Lock bei zu behalten. Dennoch ist die Bearbeitung mit Hauptbestandteil der mich zu meinem Ziel, ein schönes Bild anzufertigen, bringt.
    Wie schon geschrieben, für mich gehört EBV und digitale Fotografie zusammen.
    LG Olaf

  • #10

    Sabine Rita Gomez (Sonntag, 25 Januar 2015 14:16)

    Lieber Andreas,
    ich finde das ist immer ganz individuell und vom jeweiligen Foto abhängig. Bei Deinen beiden Fotos gefällt mir z.B. das Originalfoto mit seinen zarten Farben deutlich besser als das bearbeitete.

    Optimal ist es sicher, das Foto von vornherein so zu gestalten, dass hinterher keine großartige Bearbeitung mehr nötig ist. Meine Makros haben in der Regel auch nur eine leichte Lightroom-Bearbeitung.

    Auf der anderen Seite gefallen mir aber auch manchmal völlig verfremdete Fotos und ich tobe mich in der Bea mal so richtig aus.

    Mein persönliches Fazit: Ich kann gar nicht wirklich sagen, was mir besser gefällt. Für mich haben beide Varianten durchaus ihren Reiz. Es sind halt zwei verschiedene Paar Schuh, die ich gar nicht unbedingt miteinander vergleichen möchte. Es ist beides Kunst und kann beides schön aussehen und... manchmal möchte ich die Welt auch einfach nur so darstellen, wie ich sie gerne hätte - und nicht wie sie wirklich ist - als eine Art Träumerei.... :-)

    Liebe Grüße aus Hamburg
    Sabine

  • #11

    Christiane Gallinat (Montag, 26 Januar 2015 19:04)

    Lieber Andreas,
    ein wichtiges Thema gut ausgearbeitet, danke dafür!

    Meine Gedanken und ein wenig Wissen dazu:
    Es ist ein Segen nicht mehr in der Dunkelkammer zu entwickeln, auch ein Fluch zwischen Natürlichkeit und Natur zu unterscheiden.

    Das Überschreiten der Grenzen welches uns das Raw Format ermöglicht, danach noch Photoshop und Co. ist eine Frage der Weltanschauung des Photografen, der nach seinen Betrachtern sucht.

    Die Kontinente und damit verbundenen Lebensgewohnheiten sind so verschieden, wie Techniken in der Fotografie einen Ausdruck zu finden.

    Die Naturfotografie, in ihrere Reinheit belassen, ist die ungeschminkte Realität, eine sehr schöne, wenn der Fotograf sein Handwerk versteht. Du verstehst Sein Handwerk!

    Ich habe öfter Fotografen beobachtet, die Hochzeiten fotografiert haben, in der Natur, bei schlechten Wetterverhällnissen, ohne Mittel die hier erforderlich gewesen wären. Sie werden ganz sicher Photoshop und Co benutzen.

    Es stellt sich mir eher die Frage: "Wie viel Technik muss ich kaufen, für ein gutes Foto?"

    Nur Gedanken von mir!

    Liebe Grüße
    Christiane

  • #12

    Teresa (Montag, 07 September 2015 19:45)

    Hi Andreas
    Ich glaube, daß es für ein wirklich gutes Bild viele Möglichkeiten gibt. Meistens kommt es auf das Motiv an. Gut gelungene Naturfotos, insbesondere in der Makro-Fotografie sprechen für sich und brauchen m.E. nach keine Nachbearbeitung. Aber wie schon ein Vorredner feststellte, sind manchmal kleine Korrekturen notwendig und da kommt man um die digitale Bildbearbeitung nicht umhin. Übrigens gibt es neben Photoshop auch das kostenlose Bildbearbeitungsprogramm Gimp, mit dem man seit Gimp 1.9 auch mit 16bit und bald höher arbeiten kann.
    Ich persönlich experimentiere nicht nur mit Photoshop und Gimp sondern bin kürzlich draufgekommen, daß man mit einem guten Scanner (wie z.B. Canon 9000F) alte Negative und Dias in höchster Auflösung und bit´s einscannen kann - und ich dabei so viele (DNG´s) im Tiff-Format und satten, natürlichen Farben herausbekomme wie ich will. Mit ein wenig Experimentierfreude in den Kanälen schaffe ich manchmal sogar ganz tolle HDR-Bilder. Geht bei Digi-Kameras leider nicht - außer RAW und dann weiterer Nachbearbeitung.
    ... ist alles nur eine persönliche Geschmacksafrage.

    Respekt für Deine Arbeit und liebe Grüße aus Wien
    Teresa